Google Keep unter der Lupe: Warum Keep nicht eingestellt wird

Was bringt Google Keep wirklich? Mit Googles neuem Dienst sollen Notizen einfach erstellt und synchronisiert werden können. Wir nehmen die Anwendung heute unter die Lupe und klären außerdem, warum der Dienst – nicht so wie Google Reader – eingestellt wird.

Google Keep Notizen

Notizen in Google Keep

Google Keep

Keep ist dazu gedacht, Notizen einfach erstellen zu können. Der Service ist teil der Google Drive Infrastruktur, damit sich die erstellten Notizen einfach synchronisieren und überall lesen lassen können.
Die Anwendung fällt also unter das übliche App-Paradigma: Eine Anwendung die nur eine einzige Funktion bietet. Daher sollte diese eine Funktion außerordentlich gut beherrschen.

Google Keep ist derzeit über eine Android App sowie über ein Webinterface verfügbar. Durch das Webinterface ist der Dienst also auf allen Geräten verfügbar, allerdings hat nur die App den vollen Funktionsumfang und Komfort.

Installation und Interface

Installiert wird die App auf Android Geräten einfach über den Market. Beim ersten Start wird das Google-Konto (Voraussetzung) für die Synchronisation angegeben.
Das Interface ist konform mit den Design-Richtlinien für Android, wie gewohnt von den Google-Apps. Insgesamt wirkt alles sehr aufgeräumt, alle Funktionen sind über Buttons auf dem Bildschirm verfügbar.
Erstellte Notizen können per Wisch zur Seite archiviert werden, durch Halten und Ziehen können sie auch verschoben werden. Ebenfalls können mehrere Notizen durch Halten ausgewählt und anschließend über die Action-Bar Gelöscht oder Archiviert werden. Zur Ordnung können einzelne Notizen mit Farben versehen werden, dazu später noch mehr. Soweit ist das Interface also intuitiv und simpel gehalten.
Die Notizen können in der mehrspaltigen Ansicht angezeigt werden, oder einspaltig, wobei die Kacheln die volle Bildschirmbreite nutzen.

Beispielnotiz mit Funktionsumfang für Google Keep

Funktionsumfang von Google Keep: Farbmarkierung, Diktierfunktion, Bilder…

Funktionsumfang

Notizen können einfach eingetippt werden, auch Speech to Text (Spracheingabe) wird über die in Android enthaltenen Möglichkeiten realisiert. Auch Listen können erstellt werden, deren Einträge durch Häkchen abgearbeitet werden. Auch Bilder können als Notiz dienen. Natürlich lassen sich die einzelnen Notizmöglichkeiten auch kombinieren (Bild-Notiz mit Speech-to-Text…)

Bei Sprachnotizen wird die Audio-Aufnahme in der Notiz gespeichert und ist jederzeit nochmal abspielbar, der Audioclip kann aber auch gelöscht werden.
Wie bereits erwähnt, lassen sich die Notizen im Interface einfach verwalten.

Die Archiv-Funktion ist ähnlich wie die in Mail-Clients, archivierte Notizen stehen dann in einer gesonderten Sektion bereit.
Was natürlich auch nicht fehlen darf ist die Such-Funktion, mit der alle Notizen durchsucht werden können. Texte, Bilder und Audiodateien können über die Teilen / Share Funktion in Android hinzugefügt werden, erstellte Notizen können auch mit anderen Apps geteilt werden.

Technik

Die App ist durch die Konten-Synchronisierung in Android angebunden, daher werden die Daten automatisch im Hintergrund synchronisiert (was natürlich auch abstellbar ist). Wie bereits erwähnt erfüllt die App Android-Designrichtlinien. Es wird die Action Bar genutzt, die App ist also auch Android >4.0 konform.
Durch die Teilen-Funktion in Android können Inhalte hinzugefügt werden, Keep unterstützt dabei Text, Bilder und Audiodateien (getestet mit 3gpp).

Was fehlt?

Klingt bisher alles nach einer guten App, nicht? Soweit sind die integrierten Elemente auch gut, jedoch fehlt noch einiges:

Erweiterte Verwaltung: Bisher ist die Kategorisierung der Notizen nur durch Farben möglich. Insgesamt stehen 8 Farben zur Verfügung. Das Problem: Optisch lassen sich die Notizen zwar gut unterscheiden, aber man kann sie in der App nicht filtern. Es gibt keine Tags oder Kategorien, in die die Notizen eingeordnet werden können. Wünschenswert wären mehrere Bereiche, etwa „Geschäftlich“, „Privat“, „Ideen“ usw… Besonders für den Produktiveinsatz wäre dies wünschenswert.

Bestehenden Inhalt hinzufügen: Zwar kann der Inhalt direkt in der App erstellt werden, wenn ein schon geschossenes Foto hinzugefügt werden soll, muss man aber erst die Galerie öffnen und das Bild teilen. Umständlich. Gleiches gilt für Audiodateien.

Fehlender Export: Inzwischen kann man auch bei Twitter sein Archiv herunterladen. Damit hat man ein Backup der persönlichen Inhalte. Was in Google Keep (/Drive) ist, bleibt auch dort. Man kann die Daten nicht anderweitig nutzen. Ein Export der Daten ist nur über die Share-Funktion möglich, wobei nur eine Notiz gleichzeitig geteilt werden kann. Wenn Keep eines Tagen die Pforten schließt, gehen ebenfalls alle Daten verloren.

Fazit

Die App ist meiner Meinung nach gelungen. Es fehlen zwar einige Kleinigkeiten, aber dadurch ist der Funktionsumfang nicht sonderlich beschränkt. Zumindest für mein Anwendungsfeld nicht: Ich plane die App als „Read it Later“ Dienst zu nutzen. Inhalte, z.B. von Twitter, können einfach mit der App geteilt und später am PC angesehen werden. Wer die App allerdings als „Lebensplaner“ nutzen will, dem werden Tags/Kategorien fehlen. Die App ist kostenlos, und stellt eine „Grundfunktion“ für ein Smartphone bereit. Auf die Schnelle Notizen speichern.
Ich kann die App empfehlen, jedoch nicht für den Professionellen Einsatz.

Google Keep Webinterface

Das Webinterface von Keep: Hier werden fehlende Tags besonders deutlich, da die Farbmarkierungen hier sehr schlecht sichtbar sind.

Wer nun Angst hat, dass Google den Dienst in ein paar Jahren beendet, für den habe ich gute Nachrichten: Ich denke nicht, dass Google den Dienst einstampfen wird. Warum? Lest weiter:

Google Reader: Was bisher geschah

Google hat mit dem Dienst Reader Anwendungen bereitgestellt, um RSS-Feeds zu konsumieren. Dabei war die Cloud-Funktionalität wichtig: Die Einträge in RSS-Feeds konnten mit Tags versehen werden, welche geräteübergreifend synchronisiert wurden. Ebenfalls wurde synchronisiert, welche Einträge schon gelesen wurden. Für viele ist Reader ein wichtiges Werkzeug, um Nachrichten zu lesen und auf dem neusten Stand zu bleiben.
Letzte Woche hat Google allerdings das Ende von Google Reader angekündigt.
Die App bringt keinen Profit und wird für Google zur last. Millionen Kunden wurden enttäuscht.

Google stampft Dienste ein: Reine Willkür?

Nein. Was für Google nicht profitabel ist, wird fallen gelassen. Man will sich ganz natürlich nicht mit Altlasten behaften, sondern neue, bessere Dienste entwickeln.
Des weiteren ist anzumerken, dass die Google-Dienste oft kostenlos sind. Wer professionelle Arbeiten mit kostenlosen Cloud-Anwendungen erledigt, ist selbst Schuld. Auf so ein Konzept kann man sich nicht verlassen, dafür gibt es kommerzielle Software. Privatanwender können auch einfach zu anderen Diensten wechseln. Eine Alternative hat Google schon länger im Programm: Google Currents.

Hier können ebenfalls RSS-Feeds eingespeist werden, welche dann übersichtlich wiedergegeben werden. Es fehlen allerdings Tag-Funktionen, um Einträge zu ordnen. Für Privatanwender wird dies aber nicht so schlimm sein. Die Feeds sind immer noch separat. Der größte Kritikpunkt für mich ist aber: Es gibt keinen Desktop-Client. Google bietet nur eine App für Mobilgeräte an, nicht für den Desktop. Nicht einmal ein Webinterface gibt es. Es wird also ein Tablet oder Smartphone benötigt, was für viele Currents als Alternative zu Reader ausschließt.

Ebenfalls müssen die Feeds über Google Producer eingerichtet werden, die Feeds werden auch nicht in Echtzeit synchronisiert. Es kann also nicht jeder beliebige Feed abonniert werden, er muss in Currents eingerichtet sein.
Allerdings ist dieser Dienst für Google viel mehr profitabel, da es Partner gibt, die teures Geld dafür zahlen, unter den „Standard-Abos“ gelistet zu werden – also bei jedem schon als Feed eingetragen zu sein.

Wird Google Keep auch fallen gelassen?

Nein. Für Keep sieht es auf den ersten Blick zwar nicht besser aus als für Reader, jedoch unterscheiden sich die beiden Konzepte: Google Reader war eher für eine spezielle Kundengruppe. Ich glaube nicht, dass der 08/15 Internetmensch überhaupt noch weiß, was RSS ist. Reader war ein Nischenprodukt. Solche werden üblicherweise über Werbung finanziert (so wie Google Currents).
Keep ist ein allerwelts-jedermann Produkt. Jeder muss irgendwann mal eine Notiz machen. Es ist eine grundlegende Funktion von Smartphones. Google Keep gehört (fast) zur Infrastruktur von Android. Genau wie Drive und Music. Diese Apps helfen Google, das Betriebssystem einheitlich zu gestalten und sind ebenfalls Kauf-Faktoren für Geräte mit Android. Keep dient dem Android-Ökosystem, genau wie Maps oder die Sprachsuche.
Daher wird Google diese Dienste nicht einstellen. Keep bringt allein vielleicht keine Einnahmen, jedoch wird Android damit beworben (werden), was zusätzliche Einnahmen bringt. Für Google also ein Grund, diesen Dienst zu behalten.

MfG
Damon Dransfeld

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Ein Kommentar

  1. Dieter Zellhöfer
    Erstellt am 22. Januar 2014 um 12:32 | Permalink zum Kommentar

    Keep ist eigentlich eine nette Sache.
    Leider funktioniert’s nur mit Android ab V4.

    Außerdem funktioniert bei mir die Synchronisation mit dem PC (in beiden Richtungen) nicht. Auf dem Notebook klappt es.
    Vielleicht kann mir jemand eine Problemlösung aufzeigen. Vorab Danke dafür.

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