Teardown: Nintendo GameBoy (DMG-01)

Nachdem ich seine Existenz lange Zeit vergessen hatte, fiel mir vor einiger Zeit mein alter GameBoy wieder in die Hände. Schon immer hatte ich den Wunsch, mir die Technik des alten GameBoys mal genauer anzusehen, und so zückte ich promt einige Schraubendreher und nahm das gute Stück auseinander.

Alle hierzu entstandenen Bilder gibt es am Ende des Artikels, im Artikeltext selbst sind nur einige wenige eingebunden.

Der GameBoy

Als erstes schauen wir uns einmal den GameBoy und seine Eckdaten an. Der GameBoy trägt die Modellbezeichnung DMG-01 (Dot-Matrix-Game), dieser Name bezieht sich auf das Display welches eben in dieser Bauweise verbaut ist. Im weiteren Artikel werde ich den GameBoy nurnoch mit DMG bezeichnen.

Auf der Vorderseite befindet sich das 2,6″ große Dot-Matrix-LC-Display mit einer Auflösung von 160×144 Pixeln, welches 4 Graustufen darstellen kann. Neben dem Display befindet sich eine rote Power-Indicator LED welche anzeigt, ob der DMG angeschaltet ist oder nicht (und bei schwächer werdender Batterie dunkler wurde… ein gefährliches Zeichen für jeden Spieler, dies war nämlich die einzige und – oftmals sehr kurzfristige – Warnung, dass die Batterien den Geist aufgaben…).

Die Vorderseite des DMG.

Die Vorderseite des DMG.

Unter dem Display findet man die Tasten. Hier wurden ein digitales Steuerkreuz in Schwarz so wie 2 Eingabetasten (A und B) in pink verbaut. Die selbe Farbwahl fand sich (zum Teil) auch auf den Controllern der US-Variante des Super NES / Super Famicom wieder. Dies war aber nur in Nordamerika der Fall, die japanischen und europäischen Konsolen kamen mit Controllern, auf welchen alle 4 Aktionstasten verschiedene Farben hatten. Zuletzt verfügt der DMG über 2 pure Rubber-Tasten, Start und Select.

Am unteren rechten Rand befinden sich 6 Schlitze, welche den Ton des Mono-Lautsprechers vom inneren des Gehäuses nach außen lassen.

Auf der Rückseite des DMG befindet sich oben-mittig der Einschub für das GameBoy Modul, von Nintendo offiziell „Game Pak“ getauft. Der kleine Schlitz an der oberen rechten Seite des Einschubes war ein Element des An-Aus-Schalters des DMG, der kleine Plastikarm welcher beim Anschalten des DMG herausragte sollte das Game Pak arretieren bzw. dem Benutzer wenigstens zu erkennen geben, dass der DMG noch angeschaltet ist, wenn er versucht, im Betrieb das Spiel zu entfernen.

Unter dem Einschub befindet sich die Seriennummer des DMG, darunter widerum einige Informationen zum Gerät, wie die Modellnummer, der Hersteller samt Herstellungsland und -jahr, die angabe des benötigten Stroms, sowie ein Patenthinweise und ein TÜV-Siegel.

Als letztes befindet sich auf der Rückseite noch das Batteriefach. Der DMG benötigte 4 AA-Mignon Batterien, sprich eine Spannung von 6V. Wie bei vielen Geräten aus dieser Zeit fehlt mir unglücklicherweise der Batteriedeckel… eine Krankheit dieser Geräte.

An sonsten befinden sich nur noch die 6 Schrauben auf der Rückseite, welche das Gerät geschlossen halten. Und genau diesen geht es jetzt an den Kragen.

Das Auseinanderbauen

Hier erst einmal eine Auflistung aller Werkzeuge, welche man benötigt um einen DMG auseinanderzubauen:

  • Phillips Schraubendreher Größe 1
  • Twi-Wing Schraubendreher
  • optional: Phillips Schraubendreher Größe 0/00

Viele der von Nintendo stammenden Konsolen und Zubehörteile benutzen Twi-Wing Schrauben, um das auseinandernehmen für den gelangweilten Hobby-Werkler zu erschweren. Glücklicherweise sind diese Twi-Wing Schraubendreher nicht all zu schwer zu ergattern, also stellt dies gar kein Hindernis mehr dar… Als erstes entfernen wir die 6 Tri-Wing Schrauben auf der Rückseite des DMG, dann lässt sich das Gehäuse bereits öffnen.

Hier sind die Platinen im hinteren Teil des DMG zu sehen. Mainboard mit CPU und RAM, Platine mit 3,5" Audiobuchse und eine kleine Platine welche für die Stromregelung zuständig ist.

Hier sind die Platinen im hinteren Teil des DMG zu sehen. Mainboard mit CPU und RAM, Platine mit 3,5mm Audiobuchse und eine kleine Platine welche für die Stromregelung zuständig ist.

VORSICHT: Beim Öffnen des Gehäuses ist vorsicht geboten, die Platinen in Vorder- und Rückseite sind mit einem Flachbandkabel verbunden! Dieses muss vorsichtig aus dem Sockel auf der Rückseite gezogen werden, bevor es weitergeht.

Befassen wir uns zuerst mit der „Rückseite“ des DMG. Im Gehäuse finden wir insgesamt 3 Bestandteile. Auf der oberen und größten Platine befindet sich auf der Rückseite der Sockel für das Flachbandkabel vom vorderen Teil. An der Platine angelötet sind außerdem zwei weitere Platinen. Eine befindet sich am unteren Ende des Gehäuses, an dieser Platine ist die 3,5mm Audiobuchse befestigt, über welche man Kopfhörer o.ä. anschließen kann. Die dritte Platine befindet sich ganz unten links im Gehäuse in einer Spalte versteckt. Der genaue Zweck dieser Platine hat sich mir noch nicht genau eröffnet. Nach kurzer Recherche kann ich lediglich sagen, dass diese Platine wohl für die Stromregelung im Gerät zuständig ist.

Schauen wir uns nun einmal die Vorderseite besagter Platine an.

Auf der Vorderseite finden wir in der Mitte die CPU des DMG. Rechts daneben sind 2 Speicherbausteine mit jeweils 8kb, für SystemRAM und VideoRAM. Auf selber Höhe rechts außen ist der Amplifier-Chip für die Tonausgabe. Darüber befindet sich die Strombuchse für den Anschluss eines Netzteils, darüber der

Vorderansicht der Platine in der Rückseite des DMG. CPU, RAM, Stromversorgung, Linkkabeleingang, Lautstärkeregelung, Modulslot

Vorderansicht der Platine in der Rückseite des DMG. CPU, RAM, Stromversorgung, Linkkabeleingang, Lautstärkeregelung, Modulslot

Stromschalter. Mittig-links befindet sich der Eingang für ein „Linkkabel“, um 2 bis 4 DMGs miteinander zu verbinden (Unterstützung vom Spiel abhängig, aber auch nutzbar für Synthesizer wie LSDJ, um mehrere DMGs anzusprechen und so eine größere Klangvielfalt zu erzeugen.). Darunter befindet sich ein kleiner Poti zur Lautstärkeregelung. Das letzte markante Bauteil ist die Buchse für die Game Paks, also die Spielmodule, mit 32 Pins.

Das Gehäuse selbst ist wenig spektakulär. Hier finden wir lediglich eine kleine Metallplatte als Führung für das Spielmodul sowie die Kontakte für die Batterien.

Nachdem wir nun die Platine(n) in der Rückseite des DMG-Gehäuses eingehend betrachtet haben, widmen wir uns den Bauteilen in der Vorderseite. Die Rückseite der hier verbauten Platine ist wenig spektakulär, deshalb entfernen wir schnell die 10 Schrauben und lösen die Platine.

VORSICHT: Beim ersten Lösen der Platine kann es sein, dass diese sich nicht ohne weiteres bewegen lässt. Dies liegt daran, dass der Rahmen des Displays mit Kleber an der Innenseite der vorderen Gehäusehälfte fixiert ist. Mit viel Fingerspitzengefühl kann man die Platine lösen, allerdings sollte man hierbei doch schon etwas aufpassen.

Haben wir die Platine gelöst, können wir uns in Ruhe die Vorderseite anschauen.

Vorderansicht der Platine aus der Vorderseite. Flachbandkabel, Display, Kontrast-Poti, Kontakte für Buttons und Lautsprecher.

Vorderansicht der Platine aus der Vorderseite. Flachbandkabel, Display, Kontrast-Poti, Kontakte für Buttons und Lautsprecher.

Oben heraus ragt das Flachbandkabel welche die vordere mit der hinteren Platine verbindet. Direkt darunter finden wir das Display. Dies ist in einen Plastikrahmen eingefasst und kann an der oberen Seite gelöst werden, indem man einen dünnen Schraubendreher in die dort befindliche Kerbe steckt und leicht hebelt. Der Rahmen selbst ist lediglich mit 3 Plastikklammern an der Platine gesichert, das Flachbandkabel daran noch einmal mit 2 Phillips 0/00 Schrauben, die Kontakte sind auf der Platine festgelötet.

Auf der linken Seite der Platine befindet sich ein weiterer Poti mit welchem man den Kontrast des Displays einstellen kann. Unten an der Platine befindet sich ein Mono-Lautsprecher der Firma Magnat (Ich nehme an, dass er von Magnat gefertigt wurde, das Logo mit diesem charakteristischen M kenne ich nur von dieser Marke).

Über dem Lautsprecher finden wir einige Kontakte, diese werden durch die Gummi-Rubber der Tasten ausgelöst und ermöglichen so die Bedienung des DMG.

Damit ist die Platine soweit auch schon beschrieben, also werden wir noch einmal einen letzten Blick auf die Innenseite der vorderen Gehäusehälfte. Hier haben wir oben die Display-Scheibe welche sehr gerne verkratzt, wir sehen ebenfalls die Kleberückstände der Platine. Weiter unten sehen wir die Rubber auf den entsprechenden Tasten. Ich entschuldige mich, dass ich hier keine Bilder der Tasten selbst gemacht hab… Das Gerät war bereits wieder fest zusammengeschraubt als mir einfiel, dass noch ein Foto fehlt…

Damit ist das Teardown des Nintendo GameBoy beendet. Das robuste Gehäuse, der einfache Aufbau, die relativ wenigen Schrauben und die gut verbaute Hardware machen das gute Stück extrem wartungsfreundlich. Abgesehen vom Tri-Wing Schraubendreher hat man eigentlich sonst alles was man zum auseinanderbauen braucht zu Hause, und auch dieser ist schnell besorgt.

Ich hoffe, ihr seit ein Stück schlauer geworden und habt einen kleinen Einblick in das bekommen, was die Kindheit vieler geprägt hat… meine auf jeden Fall ;)

Bilder

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5 Kommentare

  1. Erstellt am 16. November 2013 um 23:57 | Permalink zum Kommentar

    Die kleine Platine zur Stromregelung ist wohl ein bisschen input protection… Ich meine einen MOV erkennen zu können, einige Dioden und eine backup-batterie? Scheint also Überspannungsschutz und Schutz gegen falsch-herum eingelegte Batterien zu sein.

    MfG
    Damon

  2. Florian
    Erstellt am 18. November 2013 um 22:20 | Permalink zum Kommentar

    Jaja, da werden Erinnerungen wach. Wenn ich überlege, wie ich früher Pokemon Stundenlan auf meinem GameBoy Color gezockt habe. Damals in der Grund- / Realschule. Früher hat die einfache Grafik des Gameboys ausgereicht um Spaß zuhaben und er hat halt eben nur Batterien wie blöd gefressen, wenn man vergessen hat in auszumachen. Toller Artikel!

  3. DaMerl
    Erstellt am 17. Dezember 2013 um 17:09 | Permalink zum Kommentar

    Yo, gibt es eine Quelle für das Design des DMG? Das Super Famicom hatte bunte Tasten, wie auch die PAL Konsole, nur das US SNES hat die violetten Knöppe. Zudem ist der DMG einiges älter als das SNES, bzw. das SFC und Knöpfe u d Steuerkreuz vom NES passen enenfalls in den DMG.

    Sehr genial: Die Abmessungen des DMG entsprechen dem goldenen Schnitt…

    • Sebastian D.
      Erstellt am 18. Dezember 2013 um 12:28 | Permalink zum Kommentar

      Da ist beim Recherchieren wohl ein bisschen was durcheinander gekommen. Danke für den Hinweis, Anmerkung zur Farbgebung der Tasten wurde geändert.

  4. Jan
    Erstellt am 2. Februar 2015 um 18:52 | Permalink zum Kommentar

    Hier sind die Platinen im hinteren Teil des DMG zu sehen. Mainboard mit CPU und RAM, Platine mit 3,5″ Audiobuchse und eine kleine Platine welche für die Stromregelung zuständig ist.

    3,5″? Das wären fast 9 cm Audiobuchse :)
    Außerdem könnte man die „Schruaben“ mal durch „Schrauben“ ersetzen.

    Ist mir nur so beim Durchlesen aufgefallen. Dennoch eine sehr informative Seite, danke dafür. Hat mir sehr geholfen.

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