Linux Bootstick erstellen: Linux vom USB-Stick starten

Wer kennt die Situation nicht: Windows auf dem heimischen PC verweigert wehement den Betrieb, dabei hat man gerade noch so viele Daten auf der Festplatte… Für solche Fälle ist es immer ganz nützlich, eine Live-CD mit einer Linux-Distribution zu besitzen, also eine CD, welche eine komplette Linux-Distribution zur Benutzung in den RAM lädt. Dies ist eine prima Methode, noch auf seine Festplatte zuzugreifen und wichtige Daten zu sichern, selbst wenn Windows nicht mehr mitmacht. Doch wer hat heutzutage noch ein funktionierendes CD-/DVD-Laufwerk? Ich jedenfalls nicht! Und hier kommen dann USB-Sticks zum Einsatz.

Einen bootbaren Linux Live-USB-Stick erstellen

Was benötigen wir alles, um solch einen Stick aufzusetzen?LIN80007-1

  • Einen laufenden PC mit Windows/Linux/MacOS
  • Einen USB-Stick, FAT32 formatiert mit mindestens 1GB Platz
  • Ein ISO-Abbild einer bootbaren Linux-Distribution
  • Je nach Methode

Im folgenden Artikel werde ich jetzt alle drei Methoden erklären – da ist für jedes Betriebssystem was dabei!

Methode 1: Windows – Universal USB Installer

Die wohl einfachste und bequemste Methode wird durch das Tool Universal USB Installer ermöglicht. Das Team von pendrivelinux.com hat dieses kleine nützliche Programm geschrieben, damit User auch ohne große Vorkenntnisse ihre USB-Sticks als bootbare Geräte mit Linux einsetzen können.

Universal USB Installer

Universal USB Installer – so sieht das Tool fertig eingestellt aus (Mit 4GB Persistent File).

Als erstes muss natürlich das Tool sowie ein bootbares Linux-Image heruntergeladen werden. Bei allen folgenden Beispielen werde ich die aktuelle ISO von Linux Mint verwenden, ihr könnt natürlich auch jedes andere Image benutzen. Sobald alles heruntergeladen und einsatzbereit ist, steckt ihr den USB-Stick ein und startet den Universal USB Installer.

Bei „Step 1“ wählt ihr eure gewünschte Linux-Distribution aus. Die Liste ist relativ lang, sie reicht vom beliebten Ubuntu über Linux Mint bis hin zu kleineren Distributionen und listet sogar diverse Anti-Virus-CDs mit denen mal Windows im Notfall wieder fit machen kann. Das Programm wird von den Codern regelmäßig geupdated um die Liste aktuell zu halten. Das Programm hat sich etwas lullig, wenn man versucht ein Image zu nutzen, welches nicht in der Liste aufgeführt ist – man möchte halt sichergehen, dass ihr auch das richtige auf den USB-Stick kopiert. Von daher ist es angebracht, dieses Programm so aktuell wie Möglich zu halten.

Hat man nun seine Wunsch-Distribution ausgewählt, wird man aufgefordert, bei „Step 2“ den genauen Ort der Image-Datei anzugeben. Hierzu klicken wir auf „Browse„, dann öffnet sich der „Datei-Öffnen Dialog“ und wir navigieren zu unserer ISO-Datei. Der Pfad wird grün eingefärbt, wenn das Programm das Image erkannt hat. Bei „Step 3“ wird nun der Laufwerksbuchstabe des gewünschten USB-Sticks ausgewählt – WICHTIG! Unbedingt darauf achten, dass hier der korrekte Buchstabe steht!

Wenn man auf nummer sicher gehen möchte, kann man hier noch das Kästchen zum formatieren des USB-Sticks ankreuzen. Bei „Step 4“ wird uns angeboten, eine „Persistent File“ anzulegen. Eine solche Datei ist quasi ein kleines Dateisystem, in dem das Betriebssystem alle Einstellungen und neu installierten Programme speichert. Ohne diese Datei sind alle Einstellungen etc. die ihr im Live Betriebssystem vornehmt, temporär. Bleibt der Schieber bei 0, so wird keine solche Datei erstellt. Die Größe der Persistent File kann, Dateisystembedingt, maximal 4GB betragen.

Habt ihr soweit alles eingestellt, klickt ihr auf „Create„. Ihr werdet eine Meldung zum formatieren bekommen, klickt hier einfach weiter und das Programm wird zur Tat schreiten. Nachdem der Stick dann formatiert wurde, das Image auf den Stick entpackt wurde (und ggf. eine Persistent File erstellt wurde), könnt ihr das Programm schließen, den PC neu starten und vom USB-Stick booten!

Methode 2: Windows/Linux/MacOS – Unetbootin

Unetbootin (Universal Netboot Installer) ist ein weiteres Tool, um einen bootbaren USB-Stick zu erstellen. Ein großer Vorteil dieses Tools liegt darin, dass es für alle gängigen Plattformen, also Windows, Linux und sogar MacOS verfügbar ist. Die Bedienung des Tools geht ähnlich von der Hand wie beim Universal USB Installer.

Unetbootin

Das Tool Unetbootin, fertig eingestellt (Mit 4GB Persistent File).

Als erstes starten wir das Programm, hier haben wir zwei Möglichkeiten zur Auswahl. Wir können beim ersten Punkt eine Distribution aus einer vorgegebenen Liste auswählen. Diese Liste ist bei Unetbootin leider nicht mehr so ganz aktuell. Wirklich interessant ist der zweite Punkt Namens „Abbild„. Dieser Punkt ermöglicht es uns, ohne Einschränkungen ein Image zu wählen und dieses samt Bootsektor auf unseren USB-Stick zu schreiben.

In unserem Beispiel haben wir eine ISO mit Linux Mint,wählen diese also im „Datei Öffnen“ Dialog aus und legen auch hier (optional) eine Persistent File an. WICHTIG – Auch hier muss wieder auf den korrekten Laufwerksbuchstaben geachtet werden, wenn der USB-Stick gewählt wird! Außerdem bietet das Programm selbst keine Option, den USB-Stick zu formatieren, hier ist also etwas Eigeninitiative gefragt. Mit Windows einfach mit einem Rechtsklick auf das Laufwerk -> „Formatieren“ bzw unter Linux mit einem Tool wie z.B. GParted.

Sind alle Einstellung zu unserer Zufriedenheit getroffen, klicken wir auf „OK“ und der ganze Vorgang beginnt.

Die freie Image-Wahl von Unetbootin bietet einen elementare Vorteil: Man ist nicht auf Linux-Images beschränkt! Wenn man eine Windows-ISO mit validem Bootsektor besitzt, kann man auch diese auf einen USB-Stick schreiben lassen und über diesen dann das Betriebssystem installieren. Dies macht besonders mit USB3.0 Sticks viel Spaß (Windows 7 vom Boot des USB-Sticks bis zum ersten eingenständigen Boot in 9 Minuten installiert :D).

Diese beiden Tools stellen an sich die gängigsten Methoden dar. Wer etwas mehr Spaß am basteln hat und eine laufende Linux-Distribution zur Hand hat, kann auch ganz einen anderen Weg gehen.

Methode 3: Linux – dd

dd bezeichnet das Linux-Tool diskdump. Mithilfe dieses Tools können wir das Abbild 1:1 auf den USB-Stick schreiben lassen – inkl. Bootsektor. Um dies zu tun, muss das Tool dd erst einmal installiert sein. Dies ist eigentlich bei allen gängingen Linux-Distributionen von Haus aus der Fall…Sollte es doch fehlen, kann es ganz einfach mit

sudo apt-get install dd

nachgeholt werden. Ist das Tool installiert, beginnen wir damit, unseren USB-Stick zu identifizieren. Hierzu öffnen wir das Terminal, und geben den Befehl

sudo fdisk -l

ein. Nun spuckt Linux alle verfügbaren Datenträger aus, inkl. Angabe der Größe und Mountpoint (/dev/sdX). Das X steht hier für den Buchstaben, den euer Stick zugewiesen bekommt. WICHTIG – Hier sollte man lieber doppelt nachgucken – dd ist ein erbarmungsloses Tool, das überschreibt knallhart eure Festplatte, falls ihr hier einen falschen Buchstaben wählt… Ja, das ist mir schonmal passiert :/

Haben wir den Buchstaben notiert, müssen wir das Laufwerk unmounten, um sicherzugehen, dass in der Zeit des Schreibens kein anderes Programm darauf zugreift. Dies erledigt der Befehl

unmount /dev/sdX

für uns. Ist das Laufwerk unmountet, können wir dd starten. Hierzu führen wir einfach den Befehl

sudo dd if=~/Desktop/linuxmint.iso of=/dev/sdX bs=1048576

aus, wobei wir den Pfad hinter if= durch den Pfad zu eurem Image ersetzen, und sdX durch den entsprechenden Mountpoints eures USB-Sticks. Dieses Tool wird nun ohne große Rückmeldung zur Arbeit schreiten und euch bescheid geben, wenn die Arbeit fertig ist.

Eine Persistent File kann man bei dieser Methode leider nicht ohne weiteres hinzufügen.Wer das möchte, sollte einfach mit Unetbootin eine solche Datei erstellen und diese einfach per Hand mit auf den Stick schieben – das sollte eigentlich funktionieren.

Ich hoffe, der Vorgang ist soweit klar geworden. Es ist immer praktisch einen USB-Stick mit einer Linux-Distribution dabei zu haben, ich persönlich habe immer einen Stick mit einer eingestellen Linux Mint Version dabei. Hier empfiehlt es sich, einen etwas schnelleren Stick zu nehmen. Diese typischen Werbegeschenke kommen selten über 4MB/s was die Lesegeschwindigkeit angeht… und wenn man nun 900MB in den Ram laden muss, kann es schon etwas dauern…

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4 Kommentare

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    Vielen Dank für Deine umfangreichen Erläuterungen!

    Unter Punkt 3. sollte es allerdings umount /dev/sdX heißen.

    Ich habe das mal mit dd unter OSX versucht. Meine Erfahrungen habe ich unter

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    beschrieben.

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