Google-Rekursion und das X-Y Problem

Online-Foren sind eine tolle Sache: User können sich untereinander austauschen, fachsimpeln, alles zentral. Somit entsteht oft eine Community um ein bestimmtes Interessenfeld.
Daher sind Foren oft die erste Anlaufstelle für User, die Hilfe brauchen. Da sich solche Communities als Expertengruppen sehen lassen, liegt es nahe, dort um Hilfe bei einem Problem zu fragen.

Leider sehe ich es viel zu oft, dass hilfesuchende User einfach vergrault werden. Dazu gibt es mehrere „Verhaltensmuster“, die mir regelmäßig ins Auge springen:

Google-Rekursion

Häufig zu finden bei Fragen / Problemstellungen, die für die Expertengruppe der Community trivial sind.

Flussdiagramm zur Google-Rekursion

Die Google-Rekursion: Oft eine Endlosschleife.

Szenario:
Ein unerfahrener User fragt nach Hilfe. Als Antwort bekommt er einen Verweis auf Google.

Das Problem:
Die Antwort enthält keine konkrete Lösung! Verwiesen wurde auf den Google-Index, der sich ständig ändert. Bei diesen „einfachen Fragen“, die vielleicht wirklich einfach durch eine schnelle Google-Suche zu lösen sind (oder waren), ist die Wahrscheinlichkeit aber sehr hoch, dass solch eine Frage öfters gestellt wird. „Suchfunktion benutzen“ lautet das Allheilmittel vieler Forenbetreiber…
Es wird aber immer solche geben, die trotzdem ohne Suche fragen. Was zwar verkehrt ist, aber noch viel mehr verkehrt ist es, dann auf die Google-Suche zu verweisen.
Denn: Im laufe der Zeit füllt sich der Google-Index mit genau diesen Fragen aus Foren. Anstatt nun aber in den Suchergebnissen eine Lösung für das Problem zu finden, findet man nur noch Verweise auf Google.


Für die Programmierer unter uns: klassische Rekursion. Damit unsere Geduld und Nerven keinen Buffer-Overflow erleben müssen, hier das tatsächliche „Allheilmittel“:
Wenn die Antwort so einfach über Google auffindbar ist, warum dann erst auf Google verlinken, und nicht direkt auf die Lösung? Google ist variabel, die Lösung ist statisch. Also: Einfach direkt auf die Seite mit der Lösung verlinken.
Der fragende User kann immer noch darauf aufmerksam gemacht werden, dass das Ergebnis einfach durch Google hätte gefunden werden können – Würden diese „Technik“ nur alle antwortenden User beachten.


Nicht nur, dass der Inhalt der Internetseite (also des Forums) schlechter wird, weil man keine konkrete Antwort findet: Die Google-Rekursion entspricht auch jedem Grundsatz für Suchmaschinen. Diese bewerten Seiten unter anderem darüber, wie viele eingehende Links die Seite hat. Wird nun direkt auf die Antwortseite verlinkt, registriert Google das, und wird die Antwortseite besser Bewerten. Das Finden der korrekten Antwort ist also einfacher.

X-Y Problem

Ein weiteres, von mir häufig bemerktes Problem in Foren ist das, was ich (und einige andere) als X-Y Problem bezeichnen:

Szenario:
Ein User fragt nach Hilfe für X. Ein anderer User empfiehlt Y.

Das Problem:
Das „Y“ ist keine zufriedenstellende Antwort! Der User hat nach X gefragt, also will er auch Hilfe bei X. Er will keine Alternative für X. (Meistens)

Klingt etwas abstrakt, daher hier ein Beispiel:
Ein User hat ein Problem mit seiner Linux-Distribution – Arch Linux. Ein anderer User antwortet nun, dass dieses Problem nicht in Ubuntu bestehen würde. Er solle doch einfach Ubuntu nutzen.

Hier wird dem fragenden User also nicht nur die eigene Meinung des anderen Users aufgedrängt, es ergibt sich noch ein Problem: Der Thread wird zugemüllt.
Folglich reduziert sich die Chance, dass der User die richtige Lösung für sein Problem X bekommt, da jemand der Antworten will, sich nun den ganzen Thread durchlesen müsste. Und bei 2 Seiten Diskussion zwischen dem, der unbedingt X will, und dem, der Y aufdrängen will, verliert derjenige, der die Antowrt auf das Problem weiß, vielleicht die Lust daran, sich alles durchzulesen oder sich in die Diskussion einzumischen.
Wie wird das X-Y Problem gelöst?
Meiner Meinung nach gibt es für dieses Problem 2 Hauptursachen:
1: Jemand will einem Anderen seine Meinung aufdrängen, weil er findet, diese sei besser.
2: Menschen kommunizieren gern. Das ist nicht schlecht, aber manche müssen wirklich zu ALLEM ihren Senf dazu geben. Auch „Ich weiß die Antwort nicht, aber…“ gehört dazu.

Die Lösung ist also einfach:

Fazit

Manchmal sollte man sich einfach zurückhalten. Wer nichts konstruktiv zu einer Problemlösung beitragen kann, sollte den Weg nicht für die versperren, die wirklich helfen können. Für den Kommunikationsbedarf und zum Meinungsaustausch gibt es Diskussions-Ecken in jedem Forum, es gibt zahlreiche Chatrooms und andere Möglichkeiten. Die eigene Meinung oder Smalltalk gehört nicht in einen Thread, in dem jemand nach Hilfe fragt.

Zweierlei Dinge haben mich dazu bewegt, diesen Blogpost zu schreiben: Einerseits habe ich im Portal auf xda-developers.com die „News“ gefunden, es gäbe jetzt eine App, die die Google-Rekursion bekräftigt. Quasi eine App für LetMeGoogleThatForYou (LMGTFY). Zweitens bin ich öfters in den Foren von StackExchange unterwegs. Diese Foren sind wirklich gut, denn sie haben einen Grundsatz: Es sind keine Fragen erlaubt, die nur durch eine persönliche Meinung oder Einschätzung beantwortet werden können. Folglich gibt es auch kaum (Pseudo-)Antworten, die nur aus der eigenen Meinung bestehen. (Für den Meinungsaustausch gibt es separate Bereiche)
Das bestreben der Platform, wirklich nur auf Fakten basierende Argumentationen zuzulassen (und damit zu verbreiten), wurde mir klar, als eine Frage von mir mit der Begründung

Hier auf StackExchange, grüßen und bedanken wir uns nicht in Textform. Das dient dazu, die Lesbarkeit zu wahren. Das Bedanken geschieht durch Bewertung von Antworten und Kommentaren.

editiert wurde. So sollte es möglichst in jedem Forum zugehen. Gut, dass man sich weder voraus bedankt noch eine kleine Begrüßungszeile schreibt könnte die Manieren etwas verziehen, aber das Prinzip ist klar und gut: Fragestellung und Antwort auf Fakten begrenzen, erst gar keinen Spielraum für Meinungsverschiedenheiten lassen.
Ich hoffe, ich konnte hiermit einigen Leuten dabei helfen, das Internet etwas zu verbessern. Tut euch und allen anderen einen Gefallen: Antwortet nur auf Fragen und Probleme, die ihr wirklich lösen könnt. Für jemanden der Fragt, ist eure Meinung in erster Linie egal. Da das etwas unfreundlich klingt, würde ich es wissenschaftlich sehen: hier zählen auch nur Fakten, keine Meinungen.
Internet ist schließlich keine Politik ;)

MfG
Damon Dransfeld

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein
Bookmarken: Permanent-Link Schreibe einen Kommentar oder hinterlasse einen Trackback: Trackback-URL.

2 Kommentare

  1. Erstellt am 17. März 2013 um 01:07 | Permalink zum Kommentar

    Auf Ihre Seite bin ich gestoßen durch: http://www.eevblog.com/2013/03/07/bloggers-dont-sell-out-cheap/.
    Den Artikel „Google-Rekursion und das X-Y Problem“ habe ich eben gelesen und finde ihn gut. Wie so oft beim Guten, wird es das Schlechte nicht überwinden, sondern bestenfalls abmildern. Es sind zu viele Eigenschaften aktiv, solche, wie sich über andere erheben wollen, großes Geltungsbedürfnis usw. Ich beobachte das seit Jahren im Computerbase.de-Forum. Vor 10-20 Jahren waren die Foren sachlicher und informativer. Viele Teilnehmer wiederholen heute ihre Beiträge in x-fach gewendeter Form oder schreiben inhaltlose Antworten mit Belehrungen, Verweisen auf Suchmaschinen, wie Sie feststellen.
    Für jeden noch so inhaltsleeren Beitrag wird der personenbezogene Zähler hochgesetzt, so daß irgendwann jemand „Admiral“ wird. Die Eigentümer der Seite freuen sich, der Werbekundschaft die hohe Anzahl der Leser vorzuweisen, es erhöht ja ihre Einnahmen. Sie haben schon deshalb wenig Interesse, daß der Unfug aufhört, der aus ihrer Sicht keiner ist. Man sieht, daß der eev-blog (Dave, Nachnamen weiß ich jetzt nicht) schon recht hat mit seinen Gedanken. Es wird immer wieder auch das Blöde mit dem Kommerziellen verbunden, könnte man sagen. Mir fällt ein, daß früher die Wetterkarte im Fernsehen so 30 Sekunden dauerte und jeder wußte morgen ist es kalt oder warm. Heute ist daraus eine Show gemacht geworden. Und anschließend erfahre ich, daß das Wetter von der Sowieso-Versicherung präsentiert worden sei. Am Wetter und der Information DARÜBER hat sich aber nichts geändert. Und trotzdem hat sich was geändert, was ist das.
    Jetzt könnte man sagen: das war schon immer so. Gut möglich. Es geht immer um Verwertung. Im 18 und 19. Jahrhundert war die Arbeitszeit 12 Stunden pro Tag, 6 Tage. Arbeitsrecht Fehlanzeige. Und die Männer wurden noch in Kriegen verheizt. Eine sehr massive Verwertung. Heute haben wir eine geringere zeitliche Verwertung der Arbeitskraft, eine etwas gerechtere Verteilung des Vermögens und viel mehr freie Zeit, u.a. wegen der Technikentwicklung. Dadurch können neue Verwertungsideen und -Interessen umgesetzt werden: Internetangebote, Wetter-Shows, Hobbymarkt usw.

    Jetzt werde ich mir noch einige Artikel von Ihnen angucken. Mal gucken, was ich Neues erfahren kann.

    Glückauf!

    Fritz Alt

    • Erstellt am 17. März 2013 um 20:43 | Permalink zum Kommentar

      Hey, erstmal danke für den Kommentar. Das ist ein RICHTIG guter Kommentar, DANKE! Sowas würde ich gerne öfters lesen. Prima!
      Desweiteren können wir uns gern duzen, wobei mir grade einfällt, dass ich auch noch einen Artikel über das Siezen schreiben wollte…
      Ich muss dir recht geben, ich habe es auch anhand des ComputerBase-Forums gesehen, wie Beiträge an Qualität verlieren und generell ein ziemlicher Verfall an wertigem Inhalt stattfindet. Ob das durch die angesprochene Verwertung passiert ist, oder einfach weil das Forum groß und beliebt wurde (durch gute Inhalte die durch Google gefunden wurden, nicht durch leere Worte), und somit Idioten angezogen hat, das weiß ich nicht.

      MfG
      Damon

Achtung: Wordpress interpretiert bestimmte Zeichenfolgen als Markup und verändert diese. Nutzt für Programmcode lieber Gist oder PasteBin-Services und verlinkt die Code-Schnipsel.

Post a Comment

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können.