Wer im Internet ist, hat die Privatheit verlassen

Oh Gott die Schmerzen

– Zitat: hoffentlich jeder Internetnutzer Deutschlands.

Eine massive Scheißwelle rollt auf uns zu, sollten die feuchten Wahnträume des 16. Europäischen Polizeikongresses wirklich realität werden.

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Facepalm – Because expressing how dumb that was in words just doesn’t work.

Was diese Damen und Herren dort verzapft haben, ist nicht nur Wahnwitzig: Diese Veranstaltung spiegelt den Albtraum eines jeden Demokraten und Datenschützers wieder. Der Polizeikongress macht Werbung für totale Überwachung.

Big Brother is watching YOU

Jürgen Maurers Totalversagen lässt sich ein einem Zitat sehr gut zusammenfassen:

Wer im Internet ist, hat die Privatheit verlassen.

Dies impliziert: Das Internet ist ein rechtsfreier Raum, in dem es keine Privatsphäre gibt.
Das ist anscheinend die Grundlage für eine Rechtfertigung, dass Behörden (namentlich: Polizei, BKA usw…) sich im Internet nicht um die Grundrechte eines jeden Bürgers kümmern müssen. Somit wäre totale Überwachung durch Vorratsdatenspeicherung und Trojaner kein Problem. Obwohl sich andauernd darüber beschwert wird, das Internet wäre ein rechtsfreier Raum, dass dort Chaos und Anarchie herrscht – weswegen dort Gesetze einzug halten müssen. Eigentor… Wenn ihr Gesetze fürs Internet wollt, solltet ihr euch zumindest auch an das Grundgesetz halten!

Ich rezitiere hier gern einmal die Wikipedia:

Das Recht auf Privatsphäre gilt als Menschenrecht und ist in allen modernen Demokratien verankert. Dieses Recht kann aufgrund des öffentlichen Interesses an einer Person oder zu Zwecken der Strafverfolgung eingeschränkt werden.
Der Schutz der Privatsphäre ist im deutschen Grundgesetz aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) abzuleiten.

Auch andere Persönlichkeiten, wie der Herr Rainer Wendt waren vertreten. Der nächste 11. September finde ihm zufolge im Internet statt, per email. Motto: 9MB, die die Welt erzittern lassen.

Kinderpornographie-Terroristen-Hacker

Wie soll dieser Fauxpas gerechtfertigt werden? Wie könnte man es der Bevölkerung schmackhaft machen, sich zu unrecht, unnötigerweise, überwachen zu lassen?

Politiker und Politik-nahe „Menschen“ haben da ihre Methoden, die Hitliste führen aber folgende Punkte an:

  • Terrorismus
  • Kinderpornographie

Die alte Leier, um völlig unnötige, teils schwachsinnige Gesetze oder Regulierungen einzuführen. Nacktscanner, Racial Profiling, Überwachungskameras, und besonders häufig: Überwachungsmaßnahmen im Internet – all dies wurde immer wieder dadurch gerechtfertigt, um Terrorismus zu bekämpfen oder Kinderpornographie zu stoppen.
Die scheinbare Logik dahinter: Wer nichts zu verbergen hat, der kann sich doch auch überwachen lassen. Wer sich nicht überwachen lassen will, muss somit automatisch Terrorist oder pädophil sein.

Der Haken an der Sache: Unschuldige Menschen werden ohne Anlass der Überwachung ausgesetzt. Und hierdurch wird, wie bereits erwähnt, das Grundgesetz missachtet. Dazu kommt noch, dass die Maßnahmen nicht den gewünschten Effekt haben. Studien haben bewiesen, dass die Vorratsdatenspeicherung nicht signifikant zur Verbrechensaufklärung beigetragen hat, und spätestens nach den Bonner Bahnhof Bombern ist klar, dass auch Überwachungskameras keine Abschreckung für Kriminelle sind.

Weiteres Totalversagen des Polizeikongresses

Ein kleiner Überblick über weitere fazialpalmierungs-Meilensteine des Polizeikongresses:

  • Hacker werden generell als kriminell angesehen, der Begriff wird stigmatisiert
  • Anforderung von 2000 Cyber-Cops, die das Internet patroullieren sollen
  • Hacktivismus wird als Form der Meinungsäußerung kriminalisiert
  • Hacker(=Internetkriminelle) würden von den Medien gefeiert

Meine Meinung, sehr komprimiert, zu diesen Punkten:
Hacken ist kein Begriff für Kriminalität im Internet. Hacken sehe ich als Modifikation von Hard- oder Software, um Einschränkungen zu umgehen. Beispiel: Geschlossenes Betriebssystem rooten, Zufälligkeit aus kosmischer Strahlung erzeugen, eine Status-LED ins Handy löten.
Menschen, die dazu fähig sind, nennen sich mit stolz „Hacker“ – dieser Polizeikongress arbeitet darauf hin, diesen Begriff und die Mentalität zu stigmatisieren

Cyber-Cops: Schon der Name ist ein Griff ins Klo, diese Cops werden früher oder später eh dazu genutzt, persönliche Informationen auszuspähen. Sollten diese Cops die Fähigkeiten haben, werden sie Webseiten manipulieren oder Malware gegen unschuldige Bürger einsetzen – Wenn die Polizei schon unschuldige Bürger verprügelt, fällt es ihnen im (ihrer Meinung nach) rechtsfreien Internet bestimmt noch leichter, selber illegale Handlungen zu vollziehen.

Hacktivismus: Das Thema ist zurecht umstritten. Als Hacktivismus sehe ich es an, eine DDoS Attacke auszuführen. Niemandem kann es verboten sein, einen Internetservice abzurufen, egal wie oft. Hacktivismus in Form von Veröffentlichung von Firmengeheimnissen, persönlicher Daten oder ähnlichem, empfinde ich als moralisch verwerflich.

„Hacker“ werden in den Medien gefeiert? Gut so! Auch wenn es nicht ganz der Wahrheit entspricht, und die „bösen“ Hacker gemeint sind: Hacks in den Medien machen Leute auf bestehende Sicherheitsprobleme aufmerksam und fördern somit die Sicherheit in Internet.

Hierbei sollte allerdings immer zwischen BlackHat und WhiteHat Hacker unterscheiden: Während ersteres ganz klar im illegalen Bereich zu sehen ist, sind WhiteHat Hacker, wie beschrieben, keine Kriminellen.

Zusammenfassend: Dieser Polizei-Zirkus war kein Griff ins Klo – es war eine Arschbombe mit Anlauf. Und so viel Mist kann kein Klo der Welt aushalten. In diesem Zuge empfehle ich, das Protestwiki aufzusuchen. Am 23.02.2013 finden daher Demos statt, um die Privatsphäre der Internetnutzer zu schützen:
23.02.2013 – Internationaler Aktionstag für deine Privatsphäre (Hashtag #idp13 auf Twitter – International Day for Privacy 2013)

Weiteres, lesenswertes Material:
Fefes Blog
Heise
Telepolis
netzpolitik
ComputerBase
1337core
(uvm…)

MfG
Damon Dransfeld

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