Minecraft: The Story of Mojang – 5 Gründe gegen DRM

Am 22.12.2012 wurde die Doku „Minecraft: The Story of Mojang“ von 2 Player Productions veröffentlicht, auch auf The Pirate Bay. Es ist die zweite Dokumentation über das Spielestudio Mojang aus Schweden, welches durch das Spiel Minecraft bekannt wurde. Die erste Dokumentation war kostenlos für Jedermann. Für den zweiten Teil wurde Crowd-Funding auf Kickstarter betrieben, was die Produktion ermöglichte.

Der Fall der „Story of Mojang“ dient hier als Beispiel, wie es auch ohne DRM geht.

Release auf ThePirateBay

Decided to pirate our movie, eh? Now you'll have to deal with these scroll-y-bits.

Screenshot aus „The Story of Mojang“ – Komplette Laufschrift: „Decided to pirate our movie, eh? Now you’ll have to deal with these scroll-y-bits. If you like what you see, buy the drm-free version at www.storyofmojang.com so that we can afford to keep making movies. Thanks!“

2 Player Productions haben mehr als ein Jahr an der Produktion gearbeitet, haben mehr als 210.000 Dollar durch Crowd-Funding eingenommen, und verteilen ihr Werk nun kostenlos im Netz? Da werden die großen Produktionsfirmen und Labels bestimmt mit dem Kopf schütteln. Doch genau das wird den Erfolg ausmachen:

Für Käufer gibt es die Doku als DRM-freien Download. Das heißt: Eine normale Videodatei die überall abgespielt werden kann. Ohne Restriktionen. Keine Bindung an ein bestimmtes Endgerät, kein Kopierschutz, keine „Aktivierung“ nötig. Einfach nur das Video. Das passt zur Indie-Games Szene: Kein DRM.

DRM – Digital Rights Management

DRM ist der Erzfeind der Indie-Developer, könnte man glauben. DRM steht für viele nur für die Einschränkung der Nutzer. Beispiel: Großes Fiasko um Assassin’s Creed – Online-Zwang zum Spielen. Ubisoft wollte seinen neuen Kopierschutz durchsetzen und alle Spieler zwingen, während des Spielens permanent mit den Ubisoft-Servern verbunden zu sein. Die Aktion verärgerte die Nutzer ziemlich, schließlich gab Ubisoft nach und entfernte zumindest den Online-Zwang.

Dieser fall ist für mich symbolisch für das, was mit DRM falsch läuft: Durch den Kopierschutzwahn einiger Publisher wird die freude am Spiel genommen, jeder zahlende Kunde wird als Raubkopierer verdächtigt.

Die DRM-Befürworter werden als Grund die Raubkopiermorde nennen, durch die ihr Umsatz sinkt und das Unternehmen zerstört wird.

Die Sichtweise der Nutzer

DRM ist einschränkend. Ob das digitale Werk nun an ein Gerät gebunden wird, ob eine ständige Verbindung zu fremden Servern bestehen muss (und so auch die Privatsphäre verletzt wird) oder ob man irgendwann das Recht verliert, das Werk zu nutzen (konsumieren). Es ist und bleibt eine Einschränkung, und genau deshalb setzen viele Independent Game Studios auf DRM-freie Inhalte.

Handschellen

Bild: Handschellen – So fühlen sich ehrliche Käufer dank DRM-Schutz

Dem User die Kontrolle wiederzugeben, Freiheit und Wohlempfinden. Das macht die Kunden glücklich. Der Einsatz von DRM geht wieder einmal auf die Urheberrechts-Debatte zurück. Dass das Urheberrecht völlig veraltet ist, sehen wir an folgendem Modell:

Ein kleines Filmstudio produziert – finanziert durch Crowdfunding – eine Doku. Anstatt die Doku nun nur für 20$ auf DVD herauszugeben, kann man das Video auch Streamen. Auf alle Geräte. Falls ein Gerät den Stream nicht beherrscht, kann man sich die Doku als Datei herunterladen, eventuell konvertieren und abspielen. Und das für nur 8$.
Wie ist das Möglich? Und warum stellt der Produzent das Werk in eine File-Sharing Börse?

8 Dollar – das sollte sich jeder leisten können. Selbst jedes Kind was Taschengeld bekommt kann dafür sparen. Der kostenlose Download enthält die vollständige Doku (mit Lauftexten, siehe Screenshot oben), damit hat man folgende Möglichkeit: Die Doku kann auch ohne bezahlen gesehen werden. Findet man sie gut, kann man immer noch die 8$ investieren und z.B. die Streaming Möglichkeiten nutzen. Oder die Firmen hinter dem Projekt unterstützen. Auch kann man sich das Werk vorher ansehen, um dann zu entscheiden ob es sich lohnt, die 20$ DVD-Box zu kaufen (oder zu verschenken).

Der Nutzer wird nun nicht kriminalisiert – im Gegenteil. Das Unternehmen schenkt dem User Vertrauen. Blindes, uneingeschränktes, vollstes Vertrauen.

Die Content-Mafia

Die Content Mafia ist das genaue Gegenteil der Indie-Produzenten: Kein Vertrauen in den User. Es wird angenommen, dass ohne Kopierschutz keine Einnahmen stattfinden, daher wird der Nutzer belastet, um mehr Gewinn zu machen.

ContentMafia

Bild: Die Content-Mafia

Aber was bringt das wirklich? Darum geht es im Streit um das Urheberrecht.
Ich bin der Meinung, dass es genau NICHTS bringt. Eher gesagt: Durch DRM bekommen die Urheber weniger Geld als ohne DRM. Warum?

Ein Film, der nur 8$ kostet, den ich ansehen kann, so oft ich will. Unendlich viele Kopien für mich. Oder auch mal eine für meine Freunde? Ja! Ich habe die Datei offline auf meinem PC, Tablet, Handy, USB-Stick…

Erstens sind 8$, wie schon erwähnt, für jeden erschwinglich. Es ist kein 50$ Spiel, man setzt keinen Haufen Kohle in den Sand, wenn einem der Inhalt nicht gefällt. Da sich erheblich mehr Leute einen 8$ Film leisten können, als eine 15$ DVD (plus Versand), kaufen auch mehr Leute diesen Film.

Zweitens kommt „kostenlose Werbung“ hinzu: Ohne DRM kann man den Film schnell auf einen Stick ziehen und einem Freund geben. Oder dieser lädt den Film einfach als Torrent herunter. Und schon gibt es einen potentiellen neuen Kunden. Das ist mit und ohne DRM gleich: Nicht wirklich „legal“ nach heutiger Rechtssprechung, der Freund muss ja auch kein Kunde werden. Aber wenn der Inhalt gut ist, sind viele bereit, dafür zu zahlen. Und für nur 8$ – geschenkt! Und dabei werden die Kunden auch weniger belastet. Win-Win nennt man das.

5 Gründe gegen DRM

Die Gründe wurden größtenteils schon genannt, hier ist die Zusammenfassung:

  1. Keine Freiheit für Nutzer – Die Rechte legitimer Nutzer werden durch pseudo-Maßnahmen gegen Raubkopien beschnitten
  2. Eingeschränkte Nutzung – Von Inkompatiblität mit einigen Geräten bis hin zu komplizierter Bedienung: Dem Nutzer werden genug Steine in den Weg gelegt
  3. Der Erlös geht an die Falschen – Das große Geld macht nicht der Urheber, sondern der, der das Werk „schützt“ vor Massenmörder-Raubkopierern; Ein Placebo, denn:
  4. Kleinerer Absatzmarkt – Das „Raubkopieren“ ist im Grunde eine Form der kostenlosen Werbung. Nutzer empfehlen anderen Nutzern die Inhalte. Das funktioniert aber natürlich nicht mit:
  5. Schlechtem Inhalt, hohen Preisen – Ist der Inhalt schlecht, wollen natürlich auch nur wenige dafür zahlen. Die Content-Mafia umgeht dies, indem es nur Trailer/Samples gibt. Man kann sich kein genaues Bild darüber machen, wofür man zahlen soll – oft auch noch viel zu hohe Preise, was die Kaufkraft senkt: Es entsteht eine Hemmschwelle, da könnte man das Geld genau so gut verzocken.

Kleines Selbstexperiment

Ich habe die Dokumentation über ThePirateBay geladen, da ich mir nicht sicher war, ob sich die 8$ wirklich lohnen. Schließlich habe ich gerade Weihnachtsgeschenke gekauft und bin auch etwas knapp bei Kasse. Leider konnte ich die Doku jetzt noch überhaupt nicht sehen, da mein HTPC wohl Probleme mit .mov Dateien hat (mal ehrlich, warum nicht einfach MKV?). Ganz objektiv ist das Experiment auch nicht, den Ausgang kannte ich schon vorher: Die Doku wird gekauft und bezahlt.

Warum? Einerseits da ich gerade diesen Artikel schreibe, der mich in der Meinung bekräftigt die Produktionsfirma zu unterstützen, da die Dokumentation ohne DRM-Sperren herausgegeben wird. Andererseits habe ich mich schon lange auf diese Doku gefreut und früher sehr viel Minecraft gespielt. Ich persönlich kannte den Verlauf natürlich schon, aber trotzdem:

Experiment geglückt, These belegt.

Was lernen wir daraus?

Irgendwas muss doch da falsch laufen. Wir zahlen für Inhalte, die wir dann nicht einmal wirklich selbst besitzen. Wir werden unter Generalverdacht gestellt, Werke illegal zu kopieren und uns daran zu bereichern.

EFF-Logo

Die Electronic Frontier Foundation ist eine unter vielen Organisationen, die sich für die Rechte von Nutzern einsetzen.

Warum? Weil Unternehmen Angst haben, dass wir für ihren langweiligen Content nicht mehr bezahlen wollen, dass wir Karrieren zerstören würden, obwohl diese tollen „Verwertungsgesellschaften“ die größere Last für Urheber sind.
Das DRM-freie Modell funktioniert, das sehen wir an Beispielen wie dem Humble Indie Bundle oder dieser Doku.

Es wird Zeit, dass sich etwas ändert. Dazu will ich euch folgende Links ans Herz legen:

Es gibt unzählige Aktionen gegen DRM, veraltertes Urheberrecht, unfaire Bedingungen für Kunden und Verwertungsgesellschaften. Erst kürzlich spendete Notch (Markus Persson, erfinder von Minecraft und Inhaber von Mojang) $250.000 an die EFF um eine Reform des Patentrechts zu unterstützen.

Falls ihr etwas Geld habt, unterstützt die Aktionen und Gruppierungen die für eine bessere digitale Gesellschaft kämpfen, mit einer Spende.

Vielen Dank,
Damon Dransfeld

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Politik
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