Unsere Freiheit ist ein Witz

Das Thema beschäftigt mich schon seit einiger Zeit. Mit der Freiheit der Technik und im Internet hat man es heute schwer. Das hat vor allem 2 Gründe: Politik und Firmenpolitik.
In diesem Beitrag will ich meine Gedanken allgemein zum Thema äußern, Kommentare sind gern willkommen.

Technisch eingeschränkt

BigFish CollectiveApple hat mit dem iPhone die Technikwelt revolutioniert. Das wissen wir alle. Aber damit zog auch eine riesige Schattenseite auf. Nicht nur Apple verhält sich so, mitunter auch Samsung, HTC usw. geben dem User eine komplett geschlossene Plattform in die Hände. Mittlerweile hat sich die geschlossene Plattform etabliert. Wo bleibt dort die Revolution? Als Paradebeispiel dient bei mir gerne das iPhone: Millionen von Menschen halten dieses Gerät für das wichtigste was es gibt, Apple lässt sich als großen Revolutionär feiern, doch in Wirklichkeit werden wir belogen, betrogen, eingeschränkt. Apple begründet das geschlossene System von Hard- sowie Software immer wieder mit „User Experience“ – totaler BS.

Ja, es gibt Leute, die brauchen in Sachen Technik wirklich eine „leitende Hand“. Und bevor sich solche Leute ihr System „verkonfigurieren“, sollte man sie auch nicht an die Einstellungen lassen. Aber müssen darunter ALLE User leiden?
Warum gesperrte Bootloader, keine Möglichkeit Apps von Dritten zu installieren, Bindung an eigene Dienste und Software (iTunes)?
Warum darf ich mit meinem Gerät nicht machen, was ich will?

Anderes Beispiel: Mein Samsung Fernseher ist ein „Smart TV“, er hat eine Anbindung ans Internet und kann Filme (lokal vom PC) streamen. Der TV kann nativ h.264 decoden. Was macht Samsung? Sie legen ihr proprietäres Protokoll über das offene DLNA, Streams funktionieren nur (einigermaßen) richtig mit Samsung Software die verbuggt ist, wenig Features hat und mich letztlich nur einschränkt.
Dass es auch anders geht, zeigt ein Projekt, mit dem man den Fernseher rooten kann um so beispielsweise CIFS Shares einzubinden. Ein USB-Datenträger wird simuliert, über den dann auf entfernte Dateien zugegriffen werden kann. Und – oh Wunder – auf einmal sind wieder alle Features des Media Players nutzbar (Vor/Zurückspulen, keine unnötige Software, bessere Kompatibilität).

Die Technik-Geschichte ist voll von solchen Fällen: Jailbreaks für iProdukte, PlayStations, Fernseher(!), Set-Top-Boxen usw.
Alles nur, weil wir Nutzer nicht mit dem Gerät machen dürfen, was wir wollen. Ich frage mich ernsthaft, wann die Hersteller endlich erkennen, dass wir keine einschränkenden, geschlossenen Systeme wollen? Haben die Hersteller Angst, sich durch quelloffene Software zu blamieren? So würden sicherlich Softwarefehler schneller bekannt, mitunter auch Sicherheitslücken, aber dadurch würden Fehler schneller gefunden, schneller gefixt, Updates schneller zum User gebracht.
Jeder könnte die Software so anpassen, wie es nötig ist.

Wenn mal wieder ein Konzern ankündigt, mit einer neuen Hardwarerevision einem Gerät Flügel zu verleihen, kann ich nur den Kopf schütteln. Entschuldigung, aber diese tollen Extras hätte es schon vor Jahren geben können, hättet ihr die Plattform einfach Quelloffen gestaltet, Entwicklern die nötigen Rechte gegeben, uns nicht eingeschränkt.
Diese ganzen geschlossenen Systeme sind kontraproduktiv, schränken Nutzer ein, bieten keinesfalls mehr Sicherheit, sind einfach nur enttäuschend.
Das „Warum“ liegt klar auf der Hand: Geld.
Die Firmen können uns immer wieder neue Schwachsinnsfeatures verkaufen, Updates, neue Hardware die eigentlich unnötig ist, da die alte Hardware das gleiche kann – nur mit anderer Software. Gut, ich verstehe das, jedem würde ein bisschen mehr Umsatz gefallen. Aber teilweise ist die Ausbeuterei einfach nur grotesk.

Veraltete Rechte

Auch Gesetze schränken uns teilweise in unserer Freiheit ein.
Als Beispiel will ich hier die aktuelle Debatte zur GEMA-Vermutung nennen: Stelle ich ein selbst komponiertes Lied kostenlos, frei und ohne Einschränkung ins Internet, behält sich die GEMA das Recht vor, „in meinem Interesse“ Anbieter wegen illegaler Bereitstellung meines geistigen Eigentums abzumahnen. Dabei sind einige Beispiele prominent geworden, bei denen Künstler ihre Musik völlig kostenfrei auf YouTube stellten – Die GEMA ließ die Videos allerdings sperren, gegen den Willen der Künstler.

Ein weiterer Punkt der mit dem Gesetz in Konflikt steht sind illegale Downloads:
Die Content-Mafia, wie sie oft genannt wird, macht Jagd auf harmlose Nutzer. Nutzer, die TV-Serien aus dem Internet herunterladen. Nutzer, die gekaufte Filme nochmals als MKV herunterladen, da das Format viel kompatibler ist, als eine BluRay. Natürlich laden auch viele Menschen die Inhalte einfach illegal herunter. Musiktitel, Filme, Serien… Jedem dürfte kino.to ein Begriff sein. Ich lehne mich weit aus dem Fenster und behaupte:

Ein Großteil der Nutzer hätte auch für jeden Film bezahlt. Sei es in Form einer Flatrate, pro Titel, oder sonst wie. Und mit einem Großteil schätze ich 80%. Einzige Bedingung hierfür wäre gewesen, dass sich am Angebot nichts ändert. Man kann einfach mit PC, Notebook oder Tablet auf die Seite gehen, den Film suchen und direkt abspielen. So oft man will, in unterschiedlichen Sprachen, wesentlich früher als bei DVD/BluRay Erscheinung.

Eine neue Studie bestätigt, dass Personen die illegal downloaden, mehr Musik kaufen als Personen, die nicht illegal herunterladen. Warum?
Auch hier denke ich, diese illegalen Downloads wären nicht zustande gekommen, gäbe es andere Gesetze oder besseren Service. Die illegal heruntergeladenen Titel sind meiner Meinung nach zustande gekommen, weil gekaufte Musik einen einschränkenden DRM-Schutz hätte, weil der Download bequemer war (einfacher, schneller), oder einfach als Sample. Auf Amazon kann man Titel probehören – aber was will ich mit 30 Sekunden von einem Lied? Daran soll ich fest machen, ob ich Geld dafür ausgebe?
Die Unternehmen sowie die Politik scheinen wohl nicht zu verstehen, wie das Internet und die Technik genutzt werden können. Dem User sollten keine Fesseln angelegt werden:
Durch Musik auf YouTube wird man auf neue Künstler aufmerksam. Wenn ich ein Lied gerne höre, kaufe ich es auch. Das hat z.B. die oben erwähnte Studie gezeigt. Dass die GEMA Videos auf YouTube sperren lässt, ist nicht nur nicht Zeitgemäß – Es ist eine Einschränkung für Künstler und Konsumenten.
Musikvideos auf YouTube sind kostenlose Werbung!

„Es gibt keine schlechte Werbung“, hat mal jemand gesagt. Wer scheut schon vor kostenloser Werbung? Meiner Meinung nach nur diejenigen, die schlechte Inhalte produzieren.
Deren Werke werden finden nur schlecht Absatz, daher stellen sie sich hinter die Content Mafia, um auch noch jeden Cent aus ihren Werken herauszuquetschen.
Gäbe es diese Option nicht, wären diese „Künstler“ entweder gezwungen, bessere Inhalte zu produzieren und sich im Wettbewerb zu behaupten, oder das Ganze nur als Hobby zu betreiben. Denn wenn man Künstler von Beruf, aber nicht gut genug ist, dann sollte man wenigstens ehrlich zu sich selbst sein, es sein lassen, und den Beruf wechseln.
Die gleiche Theorie ist – so finde ich es zumindest – auch auf Apple anwendbar: Lieber verklagen sie die Konkurrenz und gehen so dem Wettbewerb aus dem weg, als Fehler einzugestehen, ihre eigenen Produkte wirklich zu verbessern, die User auf ehrliche Weise für sich gewinnen zu wollen.
Millionenschäden durch illegale Downloads und Abkupfern? Fehlender Umsatz durch eigenes Verschulden, so nenne ich das. Würden die Anbieter ihre Konditionen verbessern, uns nicht einschränken, gäbe es auch keine illegalen Downloads. Ein Ansatz dafür ist die Kampagne Don’t make me steal.

Ja, einen gewissen Anteil an schwarzen Schafen wird es immer geben – Ich bin aber fest davon überzeugt: Ohne DRM, durch qualitativ gute und faire Veröffentlichung, mit möglichst viel Freiheit für den Nutzer, würden die Einnahmen durch die geschützten Werke deutlich steigen.
Aber das erkennen sie nicht. Nein, die großen Firmen jagen den kleinen Nutzer, stellen ihn vor die Wand, schüchtern ein. Als Grundlage dient ihnen ein völlig veraltetes Rechtssystem, welches weder für Künstler, noch für Konsumenten vorteilhaft ist – sondern nur für die Verwerter.
Dies sollten sich alle Unternehmen zu Herze nehmen: Der User steht im Mittelpunkt. Die Garantie für ein gerootetes Handy zu verweigern ist Schwachsinn. Videos auf YouTube sperren ist Schwachsinn. Und was viele leider noch nicht verstehen: geschlossene Systeme sind Schwachsinn. Würde das beherzigt, würden alle davon profitieren (Win-Win).
Die Hersteller/Anbieter müssen ja nicht so weit gehen, absolut alles offen zu legen, ihre geheimsten Geheimnisse herausposaunen… Komplexe Algorithmen, spezielle Produktionsverfahren für Hardware – Das, was das Produkt kaufenswert macht, das kann gerne hinter verschlossenen Türen bleiben. Dabei sollte die Freiheit für Nutzer kein solcher Aspekt werden. Ich will nicht ein Gerät kaufen, nur weil dies etwas kann, was durch eine offene Plattform/Software hätte realisiert werden können. Das ist für mich selbstverständlich.
So langsam habe ich die Nase voll von scheinheiligen Unternehmen, die uns unserer Freiheit berauben. Auch von Nutzern, die dies einfach so hinnehmen.

Aus der Sicht des Users

Meine Ansicht: Ich habe einen HTPC, der kann alles was ein BluRay Player kann – nur besser. Kommt bald meine TV-Karte an, ist es ein „Festplattenreceiver“ – nur besser. Ich kann Fernsehprogramme aufnehmen, habe meine Komplette Filmesammlung (multi-Language, ohne „Disclamer“), TV-Serien (ohne Werbung), Musik (verlustfrei, ohne DRM) auf einem Gerät.

Der HTPC hat mich bisher ca. 500€ gekostet, aber dafür ist er jeden Cent wert. Ich hätte auch für 100€ einen kompakteren, schöneren Media Player kaufen können. Aber damit hätte ich keine Freiheit.
Ich habe die Hardware selbst nach meinen Bedürfnissen angepasst, habe aber trotzdem die Möglichkeit defekte Komponenten zu Wechseln oder die Hardware zu erweitern, darf installieren was ich will. Mir stehen alle Möglichkeiten offen, da der PC eine offene Plattform ist. Und offene Software rundet die „User Experience“ ab. Das System ist besser, als alles was ich bisher gesehen habe – einfach, weil damit alles möglich ist.

DAS würde ich als Revolution bezeichnen. Auch wenn es selbstverständlich sein sollte, und daher eher eine Evolution ist. Stattdessen ist die Einschränkung der Nutzer heute selbstverständlich ist, weil wir Unternehmen, welche die Nutzer sowie andere Anbieter einfach ausnutzen auch noch unterstützen.
Genau deshalb kaufe ich nichts von Apple, genau deshalb roote ich jedes meiner Geräte, genau deshalb werde ich Windows 8 nicht nutzen […]
Ein Schrei zieht sich durch die Technologiewelt von heute. Der Schrei nach Freiheit. Ich hoffe, dass diese Konzerne den Weckruf hören.

Das war mein kleiner „Rant“ über den aktuellen Stand um unsere Freiheit.
Ich bin schon zufrieden, wenn auch nur eine einzige Person nun erkennt, wie Nutzer eingeschränkt werden, wie Firmen davon profitieren und wie das ganze geändert werden könnte.

MfG
Damon Dransfeld

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein, Politik
Bookmarken: Permanent-Link Schreibe einen Kommentar oder hinterlasse einen Trackback: Trackback-URL.

3 Kommentare

  1. ZufallsLeser
    Erstellt am 7. April 2014 um 14:41 | Permalink zum Kommentar

    Sehr schön geschrieben!

    Bei den meisten Punkten stimmen ich mit dir überein. Nur der Gesichtspunkt z.B. „Firmen sollen Garantie auf ein gerootetes Handy geben“ kann ich nur bedingt akzeptieren. Wenn ein unwissender Anwender sich ein neues Handy kauft und es beim Root Versuch zerstört, sollte er auch selber dafür haften. Oder meintest du nach einem erfolgreichem Root, Garantie auf die Hardware geben? Dann stimme ich dir auch wieder in dem Punkt zu!

  2. Erstellt am 1. März 2015 um 12:51 | Permalink zum Kommentar

    Ԍuter Artikel!

  3. Tomasz
    Erstellt am 17. September 2015 um 11:36 | Permalink zum Kommentar

    Nur ein Wort !
    A M E N

Achtung: Wordpress interpretiert bestimmte Zeichenfolgen als Markup und verändert diese. Nutzt für Programmcode lieber Gist oder PasteBin-Services und verlinkt die Code-Schnipsel.

Post a Comment

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

*
*

Du kannst diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>