Raspberry Pi: Raspbian, die angepasste Distribution

Der Raspberry Pi verfügt seit dem Verkaufsstart über Linux-Distributionen, welche auf dem ARM Prozessor laufen. Diese Distributionen waren lediglich Portierungen, die im Endeffekt irgendwie auf dem RasPi liefen. Nun haben sich einige Coder aus der Raspberry Pi Foundation zusammengetan und eine Debian-Distribution erstellt, welche genau auf den Raspberry Pi angepasst ist, genannt Raspbian.

Der erste Start

Wer vorher schon Debian Squeeze nutzte, kennt den Ablauf des RasPi Bootvorgangs. Doch bereits hier tritt schon die erste signifikante Änderung auf. Statt dem User sich selbst zu überlassen, wird man nach dem Booten von dem Tool »raspi-config« begrüßt. Hierbei handelt es sich um eine grafische Shellanwendung, welche dem User bei der Ersteinrichtung der Distribution hilft. Hier findet man so ziemlich alle Optionen, die man braucht. Obwohl die Punkte eigentlich selbsterklärend sind, hier nochmal die deutschen Erklärungen dazu:

  • info – Dieser Punkt liefert Informationen über das Tool raspi-config.
  • expand_rootfs – mit diesem Punkt kann man das Dateisystem der Distribution auf die volle Größe der SD-Karte ausweiten. Normalerweise werden nur ca. 2 GB genutzt.
  • overscan – Mit diesem Punkt kann man den Overscan einstellen.
  • configure_keyboard – Hier kann man das genutzte Keyboard-Layout einstellen. Sehr nützlich wer sich nicht an den Tausch von y und z gewöhnen kann.
  • change_locale – Hier kann man den benötigten Schriftzeichensatz auswählen.

    Das Tool »raspi-fonfig« bei der Ersteinrichtung

    Das Tool »raspi-config« bei der Ersteinrichtung

  • change_timezone – Bei diesem Punkt kann man seine Zeitzone ändern.
  • memory_split – Dieser Punkt bestimmt, wieviel Ram der GPU und wieviel Ram dem Rest des Systems zugeteilt wird.
  • ssh – Dieser Punkt erlaubt es dem User, schnell und einfach SSH zu aktivieren. Spart viel Arbeit!
  • boot_behaviour – Hier kann man wählen, ob der RasPi beim booten direkt LXDE starten soll
  • update – bringt Raspbian auf den neusten Stand.

Die Ersteinrichtung von Debian ist hierdurch also sehr vereinfacht worden, wodurch man sich viel Arbeit ersparen kann. Hat man alle gewünschten Einstellungen getroffen, kann man wie gewohnt zur Arbeit schreiten. Und sollte einem im Nachhinein doch noch etwas einfallen, was man ändern möchte: Mit

sudo raspi-config

kann man das Konfigurationstool jederzeit wieder aufrufen.

Als nächstes habe ich mich der grafischen Benutzeroberfläche zugewandt.

LXDE

Wie auch schon bei Debian Squeeze nutzt Raspbian als Benutzeroberfläche LXDE. Mit der Eingabe des Befehls »startx« lädt der RasPi LXDE. Hier fällt auf, dass direkt einige Programme vorinstalliert sind, wie z.B. Python inkl. IDLE oder Scratch. Dies sorgt dafür, dass man direkt nach der Einrichtung zur Arbeit schreiten kann. Was mich allerdings viel mehr interessierte war die Performance unter der angepassten Distribution. Hatte man den integrierten Webbrowser Midori damals noch unter Squeeze getestet, so ist man doch arg enttäuscht worden. Der Seitenaufbau war zum Erbrechen langsam, selbst simpelste Internetseiten brachten den RasPi fast an sein Limit. Diese Problematik ist dank Raspbian (fast) komplett behoben.

Der erste Start von Midori ging doch relativ schnell über die Bühne, die Seiten werden schneller als vorher geladen, das surfen ist fast schon angenehm, und das System scheint insgesamt stabiler zu laufen. Alltagstauglich mag dies

Die Tactical Code Seite unter Midori. Sieht doch gut aus, oder nicht?

Die Tactical Code Seite unter Midori. Sieht doch gut aus, oder nicht?

nun nicht unbedingt sein, eine Steigerung ist es aber alle male. Andere Nutzer berichten von enormen Geschwindigkeitsschüben in Verbindung mit dem Übertakten des RasPi. Ein User stellte ein Video ins Internet, in welchem er die CPU auf 900MHz hochtaktete und dann Midori under Raspbian verwendete – die Resultate waren erstaunlich! Aber eins sei an dieser Stelle gesagt: Durch das Übertakten verliert ihr jegliche Garantie für den Raspberry Pi! Schäden an der Hardware sind nicht auszuschließen!

Fazit

Wer nun ein komplett überarbeitetes Betriebssystem für den Raspberry Pi erwartet, welches aus dem David einen Goliath macht, dessen Erwartungen werden von Raspbian durchaus nicht erfüllt werden! Raspbian ist allerdings in der Lage, die Ressourcen des Raspberry Pi ideal auszunutzen, das Gerät an seine Grenzen zu treiben und dabei immernoch stabil zu betreiben. Das Tool »raspi-config« erleichtert den Einstieg in die Benutzung, die mitgebrachte Software wie z.B. Python sorgt für einen schnellen Start. Jeder sollte sich die Raspbian Distribution einmal ansehen. Das Image bekommt ihr wie immer auf der Downloadseite des Raspberry Pi Blogs. Die Installation funktioniert wie bei den vorherigen Images auch!

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