Der Raspberry Pi: eine Platine begeistert die Technikwelt

Bei der Erwähnung des Begriffs „Raspberry Pi“ läuft vielen Technikenthusiasten das Wasser im Munde zusammen. Viele andere Leute können den Namen allerdings nicht zuordnen und mögen auch leicht verwundert reagieren, wenn sie diesen doch recht undurchsichtigen Namen hören. Worum genau handelt es sich also?

Was ist der Raspberry Pi?

Der Raspberry Pi

Der Raspberry Pi ist ein sogenannter Einplatinen-Computer, also ein ganzer Computer, der nur aus einer einzigen Platine besteht. Auf dieser Platine sind dann die ganzen Bauteile, wie HDMI-Port, Ethernet-Port, GPIO-Port, SoC etc. angebracht. Da die erste Version des RasPi ohne Gehäuse ausgeliefert wird, sieht das ganze natürlich etwas abenteuerlich aus. Doch dieser simple Aufbau hat einen elementaren Vorteil: einen extrem günstigen Preis! Der RasPi wird von der Raspberry Pi Foundation für etwa 35$ vertrieben. Dies ist ein durchaus akzeptabler Preis für, wenn man es mal so sieht, einen ganzen Computer.

Man mag sich nun fragen, wieso jemand einen kompletten Computer für so einen geringen Preis verkaufen sollte… Die Antwort ist sehr simpel: Die Raspberry Pi Foundation möchte Kinder und Laien an das Thema der Programmierung heranführen, und hat aus diesem Grund dieses Gerät entwickelt. Durch den geringen Preis, den simplen Aufbau und das offene System eignet sich der RasPi gut für Einsteiger und Experimentierfreudige. Um dies zu ermöglichen, kommen die für den RasPi optimierten Betriebssysteme schon mit entsprechenden Programmen wie IDEs oder kleinen Tools zur Erstellung von Animationen etc. Hierzu später allerdings mehr.

Was steckt im Raspberry Pi?

Dass man für den Preis von 35$ kein High-End-Rechner erwarten kann, dürfte jedem klar sein. Um etwaige Fragen zu klären, ist hier einmal eine Liste der verbauten Hardwarekomponenten:

SoC Broadcom BCM2835
Prozessor ARM1176JZF-S (ARMv6, 700 MHz)
GPU Broadcom VideoCore IV
RAM 256 MB
Anschlüsse 2xUSB2.0, 1×3,5mm Klinke, 1xHDMI, 1xComposite, 1xGPIO(26 Pins), 1xSD(HC), 1xMicroUSB für Stromversorgung
Stromversorgung 700mA bei 5V (3,5W) über MicroUSB Anschluss

Wie man sieht bekommt man doch schon einiges für sein Geld geboten, was mich persönlich am meisten überrascht hat war der HDMI-Anschluss. Durch die VideoCore IV GPU ist der RasPi in der Lage, sogar Videos mit einer Auflösung von 1920×1080 ohne Probleme abzuspielen, was ihn als Media-PC fürs Wohnzimmer qualifiziert. Der geringe Stromverbrauch ist eine weitere erfreuliche Tatsache, durch die geringe Stromaufnahme entwickelt der RasPi auch kaum wärme, selbst nach längerer Betriebszeit ist das Gerät maximal Handwarm. Für die Stromversorgung benötigt man ein ganz normales Handyladegerät, wie es mittlerweile bei so ziemlich jedem Handy beigelegt wird. Diese Geräte liefern i.d.R 700mA (einige auch 800mA) bei 5V, und eignen sich damit perfekt für den Betrieb eines RasPi.

Wer sich fragt, wo man denn nun das Betriebssystem installiert, der soll sich die Liste oben noch einmal genau anschauen… Ja, exakt! Das Betriebssystem für den RasPi liegt auf der SD(HC) Karte! Da hierdurch die stoßempfindlichkeit entfällt, lässt sich das Gerät auch prima in z.B. ein Auto einbauen (es gibt bereits erste Projekte, die dies thematisieren). Die SD Karte sollte mindestens eine Größe von 4GB haben, hierauf komme ich aber später noch zu sprechen.

Jetzt, wo die Hardware klar ist, können wir endlich zum Betrieb kommen…

Welches Betriebssystem nutzt der Raspberry Pi?

Hier kommt wieder einmal der Aspekt der Kostenfrage auf… wenn man nach günstigen und einigermaßen leistungsfähigen Prozessoren sucht, muss man in solchen Preisklassen fast schon gezwungenermaßen auf einen ARM Prozessor zurückgreifen. Auf Grund der ARM Prozessorenarchitektur ist die Auswahl des zu verwendenden Betriebssystems arg eingeschränkt. Der geringe Arbeitsspeicher von 256MB ist hierbei ein weiterer limitierender Faktor.

Um den reibungslosen Betrieb des Geräts sicherzustellen, stellt die Raspberry Pi Foundation speziell für den RasPi angepasste Linux-Distributionen zur verfügung. Auf der Internetseite gibt es in der Downloadsektion 3 bearbeitete Linux-Images zur Auswahl. Das erste ist das „Debian squeeze“ Image. Dies ist besonders Einsteigerfreundlich und kommt bereits mit einer Benutzeroberfläche (LXDE) und einigen vorinstallierten Programmen wie einem Webbrowser. Neben Debian gibt es noch eine spezielle Version von „Arch Linux“ und „Qton Pi“. Diese Distributionen sind etwas spezialisierter und sollten nur genutzt werden, wenn man sich schon etwas länger mit Linux befasst hat. Wer hier das gute alte Windows vermisst, dem sei gesagt, dass es auf Grund der Prozessorenarchitektur und des RAMs so gut wie unmöglich ist, Windows auf diesem Gerät laufen zu lassen. Selbst wenn mit Windows 8 die Verwendung auf ARM Prozessoren ermöglicht, bzw. verbessert wird, so nutzt der RasPi immernoch einen etwas älteren ARMv6 mit 700MhZ und nur 256MB Ram, was für den Betrieb von Windows schon seit Vista nicht mehr ausreichend ist (Windows XP würde laufen… wenn auch brutal langsam…allerdings auch nur auf einem klassischen x86 CPU).

Neben den oben genannten Distributionen arbeiten auch andere Teams an verschiedenen Linux-Versionen, hier zu erwähnen ist das XBMC-Team, welches ein Image mit dem XBMC (XBOX Media Center) für den RasPi portet. Durch die Verwendung dieser Software entwickelt sich der RasPi zu einem voll ausgestatteten Media-PC mit Netzwerk- und Onlinestreamingfähigkeiten. Erste lauffähige Versionen von XBMC wurden bereits vor einer Weile veröffentlicht, jedoch kann man diese nur durch die es enthaltenden Distributionen bekommen, da es sich noch um eine Beta handelt, ist diese nicht in den Repositories für andere Distributionen enthalten.

Hat man sich für eine Distribution entschieden und hat diese runtergeladen, muss man diese erstmal noch auf die SD Karte bekommen. Da es sich hierbei um ein komplettes Image handelt, ist ein einfaches kopieren via Drag-And-Drop nicht möglich. Auf der Downloadseite findet man Links zu einzelnen Anleitungen, Ich werde im Laufe der nächsten Woche noch eine kurze Anleitung zum kopieren des Images unter Windows veröffentlichen.

Jetzt wo alle elementaren Fragen geklärt sind, kommen wir endlich zum interessanten Teil…

Wo kann man den Raspberry Pi kaufen?

Das gesamte Konzept des RasPi klingt doch sehr überzeugend, wieso sollte man also nicht einfach sofort auf „Bestellen“ drücken? Nunja, da gibt es ein kleines Problem… Die Raspberry Pi Foundation hatte zum Verkaufsstart nur eine sehr geringe Zahl produzieren können (meines Wissens nach nur 10.000-15.000), die Vorbestellerzahlen gingen aber schon nach kurzer Zeit über die 200.000 hinaus. Hieraus resultiert ein immernoch anhaltender Versorgungsengpass, welcher zu ernomen Wartezeiten führen kann. Statt einer Vorbestellung kann man lediglich sein „Interesse bekunden“, dazu geht man auf die Seite der beiden offiziellen Vertriebspartner der Raspberry Pi Foundation, Elements14/Farnell bzw. RS Online. Sobald eine neue Lieferung an RasPis angekommen ist (und man in der „Gruppe“ ist, die diese bekommt), wird man Benachrichtigt, dass man nun seine Vorbestellung aufgeben kann. Die Bezahlung erfolgt per Kreditkarte. In der darauf folgenden Zeit erhält man irgendwann die Versandbestätigung und innerhalb der nächsten 7 Werktage kommt das Paket an.

Ich habe, vom Tag des „Interesse bekundens“ bis zum ankommen des Paketes knapp 4 Monate gewartet. Die Gesamtkosten beliefen sich auf knapp 42€ (inkl. aller Gebühren etc bla bla). Der RasPi kommt komplett „nackt“, also ohne SD Karte, ohne Stromkabel etc. Man bekommt nur die Platine (und falls man am „ersten“ Vorbestellertermin am 29. Februar seine Bestellung abgab, von Elements14 ein spezielles Raspberry Pi T-Shirt gratis dazu… ja, ich habe so eins bekommen :P).

Lohnt sich die ganze Sache wirklich?

Dies ist eine Frage, die eigentlich jeder für sich selbst klären sollte. Wenn man technikinteressiert ist, knapp 40€ übrig hat und sich auch mal mit den Hintergründen der PC-Technik vertraut machen will, kann man sich so ein Teil ruhig bestellen. Für den Preis kann man eigentlich nichts falschmachen. Durch den geringen Stromverbrauch und XBMC eignet sich das RasPi prima als Media-PC fürs Wohnzimmer, durch die problemlose Nutzung eines WLAN Sticks auch als Netzwerkserver, oder auch im Auto als Multimedia-Radio. Die Verwendungsmöglichkeiten sind quasi grenzenlos… Morgen bekomm ich mein zweiten RasPi… Man kann von den Teilen nicht genug haben :P

Ich hoffe, ich konnte ihnen hier einen kleinen Einblick in die Welt des Einplatinen-Computers Raspberry Pi geben, und den ein oder anderen evtl. auch zum Kauf anregen! In den nächsten Tagen folgen hier einige Anleitungen, wie man den RasPi einrichtet, wie man ihn über WLAN ins Heimnetzwerk bekommt etc. Also alles, was man für die Grundeinrichtung wissen muss!

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